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Die Haut – das größte Organ des Menschen
100 Berührungsrezeptoren pro Quadratzentimeter

Sie ist mit rund 1,5 bis zwei Quadratmetern im Erwachsenenalter unser größtes Organ und doch würde die Haut bei der Frage nach unseren Organen wohl den wenigsten Menschen als Erstes in den Sinn kommen. Dabei übernimmt die Haut sehr viele lebenswichtige Funktionen.

Obwohl sie im Durchschnitt nur wenige Millimeter dick ist, dient sie dem Menschen als äußerst effektiver Schutzwall gegenüber der Außenwelt. Kälte, Hitze oder Sonnenstrahlen wehrt sie genauso ab wie schädliche Mikroorganismen oder fremde Keime. Ihr ph-Wert von 5,7 wirkt dabei wie ein riesiger Säureschutzmantel. Eine gut durchblutete Haut reguliert darüber hinaus Kreislauf und Körperwärme, durch Schwitzen verhindert sie, dass der Körper überhitzt. Salzig schmeckt der Schweiß, weil mit ihm Mineralstoffe ausgeschieden werden.
Die Haut ist außerdem unser größtes Sinnesorgan. „Das sprichwörtliche „Fingerspitzengefühl“ hat ganz eindeutige anatomische Grundlagen“, weiß Dr. Bernd Kardorff aus Mönchengladbach. „Die Fingerkuppen verfügen über mehr als 100 Berührungsrezeptoren pro Quadratzentimeter. An der Brust gibt es davon auf der gleichen Fläche lediglich 29, am Unterarm 23.“ Somit stellen die Fingerspitzen das gefühlvollste Tastorgan des Körpers dar. „Mit ihnen können zwei Punkte, die zirka drei Millimeter auseinander liegen, problemlos mit verbundenen Augen als zwei verschiedene Stellen identifiziert werden“, erklärt Dr. Kardorff. „Am Rücken, an den Oberarmen oder Oberschenkeln beträgt die minimale Distanz zweier tastbarer Druckreize zwischen 50 und 100 Millimeter.“
Diese Sensorenzahl spiegelt sich auch im Gehirn wieder: Die Fläche, welche an der Hirnrinde für die Wahrnehmung eingehender Tastempfindungen der Finger zur Verfügung steht, ist deutlich größer als für Tastempfindungen anderer Körperteile.
Physikalische Reize wie sanfte Berührungen, Kälte, Elektrizität oder Wind können das Phänomen „Gänsehaut“ hervorrufen. „Eine Gänsehaut (Cutis Anserina) entsteht, wenn sich die kleinen Haarbalgmuskeln in der Haut anspannen und so die fast an jeder Körperstelle vorkommenden feinen, fast unsichtbaren Lanugo-Haare in eine senkrechte Position ziehen“, so Dr. Kardorff. „Dadurch verdickt sich die obere Hautschicht minimal, und es entstehen kleine Knötchen, so genannte Papeln, die der Haut einer gerupften Gans ähneln.“
Willentlich kann eine Gänsehaut nicht erzeugt werden. Der Impuls zur Anspannung der kleinen Haarbalgmuskeln erfolgt über die Nervenbotenstoffe Neuropeptide. Ausgangspunkt ist unser Gehirn, das über unser Zentrales Nervensystem und das Rückenmark diese Hauterscheinungen steuert.
„Wie das Gefühlsleben eine Gänsehaut hervorruft, ist noch nicht erforscht“, sagt Dr. Kardorff. „Bekannt ist jedoch, dass die Haut und das Zentrale Nervensystem in der embryonalen Entwicklung ein gemeinsames Ursprungsgewebe haben und so ein Zusammenhang zwischen Haut und Nerven („Befinden“, „Seele“) zu sehen ist.“